03.06.2008

Reisemängel muss man rügen

Wer Reisemängel am Ferienort nicht rügt mit der Begründung, dem Veranstalter seien diese ohnehin bekannt gewesen, der kann später deswegen auch kein Geld zurückverlangen. Denn eine Mängelrüge vor Ort ist grundsätzlich immer Voraussetzung für spätere finanzielle Rückforderungen. Dies hielt das Landgericht Frankfurt am Main klagenden Urlaubern entgegen. Sinn einer Rüge am Ferienort, sei es nämlich, den Veranstalter darüber zu informieren, dass sich ein Gast durch einen bestimmten Mangel auch beeinträchtigt fühlt und dem Veranstalter damit die Möglichkeit zu geben, „Abhilfe“ zu schaffen. Bemängelt ein Urlauber einen Missstand am Ferienziel nicht, so brauche der Veranstalter auch nicht davon auszugehen, dass sein Kunde diesen Missstand als störend empfinde. Das Gericht erklärte weiter: Auch wenn dem Veranstalter der Mangel bekannt sei, müsse er ohne Urlauber-Rüge von sich aus keine Abhilfe anbieten. Die Richter erklären zur Begründung, dass sich nicht jeder Reisende „in gleicher Weise“ von Missständen beeinträchtigt fühle. So könne etwa Lärm im Hotel den einen erheblich nerven, den anderen überhaupt nicht, weil er den ganzen Tag unterwegs sei (LG Frankfurt am Main, Az.: 2-24 S 96/07).

Verschuldet ein Reiseveranstalter bei zweiwöchigen Pauschalferien eine eintägige Verspätung der Ankunft, so ist der Urlauber nicht berechtigt, die Reise deshalb zu kündigen und den Reisepreis zurückzufordern. Im vorliegenden Fall ging es um eine Karibik-Kreuzfahrt inklusive Flüge, zu der Gäste von Düsseldorf aus anreisen sollten. Ziel: Miami in Florida, wo das Schiff ablegen würde. Zwischenstation: Madrid, von wo aus der Anschlussflug Richtung Florida startete. Doch weil sich der Abflug in Düsseldorf verspätete, verpassten die Urlauber das Anschluss-Flugzeug in Madrid. Es war Sonntag, und weder am spanischen Flughafen noch in Deutschland konnten die gestressten Möchtegern-Kreuzfahrer einen Vertreter des Reiseveranstalters erreichen, um zu erfahren, wie es weitergehen könnte um das Schiff doch noch zu erreichen. Zwar hatten die Gäste vom Veranstalter ein Infoheft erhalten. Darin war auch eine Notfallnummer angegeben – zum Beispiel für solche Fälle. Doch diese Nummer fanden sie nicht, behaupteten später, diese sei „schwer auffindbar“. Es wäre „unzumutbar“ gewesen, die Nummer in dieser angespannten Lage zu suchen. Die verhinderten Reisenden flogen deshalb zurück nach Deutschland und kündigten ihren Reisevertrag. Dann verlangten sie den vollen Reisepreis zurück, zuzüglich Schadensersatz wegen „entgangener Urlaubsfreude“. Zusammen rund 8800 €. Doch vor Gericht wiesen die Juristen alle Ansprüche zurück und die Urlauber zurecht: Die Reise kündigen und dann Geld zurückverlangen komme nur in Betracht, wenn der Urlaub „infolge eines Mangels erheblich beeinträchtigt“ sei. Doch davon konnte nach Richtermeinung hier keine Rede sein. Erst einen Tag später in einem anderen Hafen aufs Schiff zu gelangen, dies werten die Juristen nur als „geringfügigen Mangel“, der eine Preisminderung „von allenfalls sieben Prozent rechtfertigen würde“. Und vor der Heimreise hätten die betroffenen Gäste dem Veranstalter jedenfalls die Chance geben müssen, sie auf anderem Weg an Bord des Schiffes zu bringen, also für „Abhilfe“ des Mangels zu sorgen. Dafür sei es den Reisenden durchaus zumutbar gewesen, die Notfallnummer in ihrem Infoheft „aufzufinden“ und anzurufen, und zwar bereits in Düsseldorf, als sich die Flug-Verspätung abzeichnete (LG Frankfurt am Main, Az.: 2/19 O 201/05).




Das Datum, an dem dieser Artikel eingestellt wurde, entspricht nicht zwingend dem Tag der Erstellung dieses Artikels. Bitte informieren Sie sich im Zweifel beim Autor oder einem anderen Fachmann über die Aktualität und Richtigkeit der Inhalte.




Zurück zur Übersicht

Anwaltzentrale.de führt keine Rechtsberatung durch.
Alle verwendeten Markennamen und Bezeichnungen sind eingetragene Warenzeichen und Marken der jeweiligen Eigentümer.